Die übersehene Kernfrage: Wie wird Spiel rezipiert?

Dies ist ein kurzer Auszug aus einem entstehenden Buch über die Narrativierung von Games. Das Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Spiel von Menschen überhaupt rezipiert wird – und kommt nicht umhin festzustellen, dass diese Frage a) in der öffentlichen Diskussion nicht präsent und b) zukunftsweisend ist. Und zwar für die Gesellschaft im Ganzen.

Die heutige öffentliche Diskussion um die Wirkung von Spielen ist geprägt von einer Übersimplifizierung, die in ihrer intellektuellen Verlogenheit und ihren politischen Konsequenzen geradezu atemberaubend ist. Einerseits wird das Spiel, wo es in den politischen Kram passt, unterschiedslos mit anderen Medien in einen Topf geworfen, andererseits wird es, wenn das dann wieder besser passt, von anderen Medien wie Film, Literatur und Schauspiel abgetrennt und als minderwertig dargestellt.

Wenn dies nur die übliche Abwehrreaktion einer kulturell tiefgefrorenen Meinungselite wäre, die innerhalb einer Generation ja üblicherweise den Weg alles Sterblichen geht, dann könnte man mit den Schultern zucken und sagen: „Das gibt sich.“

Tatsächlich aber haben diese Reaktionen die ästhetische Entwicklung der Kunstform Spiel in einem Maße eingeschränkt, dass man zwischendurch Angst bekommen konnte, die Kunstform würde auf Dauer, eventuell sogar endgültig beschädigt. Und tatsächlich ist die Gefahr noch nicht vorbei. Was das Spiel letzten Endes wahrscheinlich retten wird, ist die wirtschaftliche Bedeutung, die es gegen alle Widerstände entfalten konnte. Die Flucht in die wirtschaftliche Bedeutung aber, die notwendig wurde, weil der Gamesindustrie die kulturelle jahrzehntelang verweigert wurde, hat dennoch Konsequenzen.

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